Startseiteso gedachtPressearbeitBücher | eBooksBilderKontakt


© Marc Stephan, D-61209 Echzell

soweit nicht anders angegeben


Folgen Sie mir auf meiner FB-Fanseite!Marc Stephan

Pressearbeit

Ein unscheinbarer Schatz unter Dauernheim

Über 100 Felsenkeller unter Dauernheim machen das Dorf zu etwas Einzigartigem.

Ein bisschen kommt Schatzsucherstimmung auf, wenn man die sDie Eingänge zu einigen der Felsenkellern unter dem Kirchberg.teilen, ungleichen Stufen in den Keller hinabsteigt. Flechten oder Moos oder sonst etwas Grünes wächst links und rechts an den Mauern und es riecht passend muffig. Je weiter man hinabsteigt, umso mehr lässt der Geruch nach, die aus Bruchsteinen gemauerten Wände werden abgelöst durch einen in den Fels geschlagenen Gang. Am Ende der Treppe wartet Erich Harth vom Kulturverein Dauernheim und erklärt, dass gerade diese Bauart das größte Merkmal eines echten Felsenkellers ist. »Andernorts wurden oft komplett gemauerte Keller unterirdisch angelegt«, berichtet er. Das seien jedoch keine echten Felsenkeller und wiesen auch nicht dieselben Eigenschaften auf. In Dauernheim finde man über 100 dieser »echten Felsenkellern«, die in das Tuffsteinmassiv unter dem Kirchberg getrieben wurden. Das Gestein ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Vogelsberg noch ein aktiver Vulkan war. Die Einschlüsse in der Lava bildeten beim Erkalten Luftblasen, sodass der Tuffstein leicht zu bearbeiten ist und trotzdem sehr stabil. »In massiven Basalt hätten unsere Vorfahren nie solche Keller treiben können«, scherzt Harth.

Wer waren die Vorfahren und wie alt sind die Keller? Die Felsenkeller sind wohl so alt wie Dauernheim selbst, etwa 1 200 Jahre, schätzt Harth. Das sei auch einer der Unterschiede zu den »unechten gemauerten Felsenkellern«, den Hohlkellern, die oft nur 200 Jahre auf dem Buckel hätten. Dass die Jahreszahlen auf den Eingangsportalen wesentlich jünger sind, erklärt der Hobbyhistoriker damit, dass diese sich tatsächlich nur auf das Entstehungsjahr des gemauerten Portals beziehen. Diese wurden in den Jahrhunderten immer wieder erneuert. »Sie bestehen meist aus Sandstein«, weiß Harth, »der verwittert schneller als der Tuffstein im Inneren des Kirchbergs«.

Die Felsenkeller kriegt so schnell nichts kaputt, sie sind stabil und halten es auch aus, wenn beladene Laster über sie hinweg fahren. Das geschehe ab und an schon mal, auch wenn die Überfahrt für diese schweren Fahrzeuge eigentlich verboten ist. Der einzige Keller, der durch eine Betonfüllung gestützt werden musste, ist durch die Natur selbst beschädigt worden. Ein alter Lindenbaum, der auf der Decke eines Felsenkellers gepflanzt wurde, hat in vielen Jahrzehnten seine Wurzeln zu tief in das Gewölbe gegraben und so die Statik beeinträchtigt.

Steile Treppen führen in die kühlen Keller, die in den Tuffstein geschlagen wurden.Hier im Keller ist jedenfalls kein Schatz zu finden, er ist leer. Es ist der Vorzeigekeller des Kulturvereins, der die steile Treppe mit einem modernen Geländer und Licht ausgestattet hat. Erich Harth drängt langsam zum Aufbruch, denn trotz der sommerlichen Temperaturen kann man hier im Felsenkeller leicht »Wölkchen« beim Ausatmen produzieren. Selbst im heißesten Sommer steigen die Temperaturen hier nie über 10 Grad Celsius. Im Winter dagegen bleiben sie frostfrei, erklärt Harth und man versteht, dass der Keller selbst der Schatz ist. Gerade in früheren Zeiten waren die klimatisierten Felseneller Gold wert. Leider wissen viele der heutigen Eigentümer den Wert ihrer Keller nicht mehr zu schätzen und benutzen sie als Rumpelkammer. Doch gerade die Dauernheimer, die den Eingang zum Keller nah am Haus haben oder gar im eigenen Hof, nutzen das historische Kleinod auch heute noch als Getränke- oder Lebensmittellager.

Der ursprünglichen Verwendung der Gewölbe kommt dies sehr nahe. Früher wurden die 16 bis 40 m² großen Gewölbe als Weinkeller genutzt. Denn auch hier in der Wetterau waren Südhänge als Weinberge beliebt und erst durch eine Abkühlung des Klimas und den Import des »süßeren« Weines aus südlichen Gefilden, verloren die Keller ihren eigentlichen Sinn. Findige Wetterauer stiegen dann auf Apfelwein um, den sie ebenfalls in den Kellern lagerten. Harth erinnert sich noch daran, als Kind Schlangen von Fuhrwerken auf dem Kirchberg gesehen zu haben. Auf drei übereinanderliegenden Straßen standen die Bauern und trugen die schweren Säcke und Körbe die steilen Stufen ihrer Felsenkeller hinab. Eingelagerte Äpfel halten sich in diesem Klima fast so lange, bis die neue Ernte ansteht.

Die Keller wurden über Generationen innerhalb der Familien weitergegeben. Doch liegen die Keller oft unter dem Grundstück eines anderen Dauernheimers, sodass die Eigentumsrechte in einem speziellen Kellergrundbuch geregelt sind. Der Hof an der Oberfläche kann der Familie Müller gehören, der Keller darunter der Familie Meier. Im Laufe der Jahrhunderte ist auch einiges an Wissen verloren gegangen, sodass der Kulturverein allen voran Robert Adam in den 1990er Jahren mit der Vermessung der Felsenkeller begann. Bewaffnet mit Zollstock und Bleistift begann er mit Helfern in fleißiger Kleinstarbeit Lage und Größe der einzelnen Keller zu ermitteln. Zum Glück bot die Technikerschule Alsfeld ihre kostenlose Hilfe an. Studenten mit modernstem Gerät fasten den Hobbyisten unter die Arme, weshalb die Vermessungsarbeiten schneller abgeschlossen werden konnten.

WErich Harth erklärt die Beschaffenheit der alten Keller im Tuffstein.ieder in den Strahlen der Mittagssonne angekommen, lädt Erich Harth noch zu einem Spaziergang über den Kirchberg ein. Die Eingangsportale sind ebenfalls einen Blick wert. Oft wurde das Familienwappen eingeschlagen oder ein Zunftzeichen angebracht, etwa für einen Schmied. Das Wappen des ehemaligen Dauernheimer Gerichts lässt auf den Keller eines früheren Gerichtsschöffen schließen. Andere Zeichen wie germanische Runen lassen sich weniger nachvollziehbar aufschlüsseln.

Das historische Erbe wird von Männern wie Erich Harth und Robert Adam bewahrt und nach Möglichkeiten weiter erforscht. Immer sind die insgesamt 2 400 m² Lagerfläche in über 100 Felsenkellern in einem einzigen Ort eine Seltenheit. Echte Felsenkeller in dieser Konzentration sind Harth bisher nicht bekannt geworden, auch nicht in der Eifel, wo sie häufiger zu finden sind. Dauernheim birgt unter seinem Kirchberg wohl einen einzigartigen, wenn auch unscheinbaren Schatz.


  © Marc Stephan 2012

mehr Infos auf der Website des

Kulturvereins Dauernheim » »


AsylothekWolfgang RauschelAlte flämische KämpferGerhard SeimOtto WaasJudith JägerKurt NagelGerald Vernon LeopoldVerena SchmidtTotenkroneFaszination MusikIndien 2013

weitere Themen:

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Google Lesezeichen postenDrucken