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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Gerade erfuhr ich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender eine gesonderte Rubrik eingerichtet hat, um erfolgte Falschmeldungen zum Flugzeugabsturz der Germanwings 4U9525 wieder geradezurücken. Das will man uns als Fortschritt und als etwas Ehrenhaftes verkaufen. Weil man zugibt: »Ja, wir haben Murks berichtet«, muss man heute schon stolz sein? Sicherlich, andere Medien gehen einfach darüber hinweg und scheinen bezüglich eigener Falschmeldungen an Demenz zu leiden. Doch ist das Zugeben von Murks-Berichten nicht das Problem, die Murks-Berichte selbst sind es.


Muss man tagelang seine Berichterstattung füllen mit: »ich meine, denke, vermute« oder schlimmer mit: »ein anderer meint, denkt, vermutet, ich gebe es nur weiter«? Kann man nicht einfach warten, bis geprüfte Fakten zur Verfügung stehen? »Warten« ist in der Medienlandschaft heute ein böses Wort geworden. Und daran sind vor allem wir schuld, wir als Gesellschaft, als Konsumenten von Nachrichten.

Deshalb dürfen wir uns schon fragen, was es uns bringt, tagelang mit Vermutungen bombardiert zu werden, uns tagelang neu mit dem Thema zu beschäftigen, oft gefüttert mit falschen Informationen und vorschnellen Theorien? Genügt es nicht, es einmal zu erfahren, mit geprüften Fakten und es dann in Ruhe verarbeiten zu können? Dafür müssten wir vielleicht ein paar Tage warten. Wäre das schlimm? Nein, denn die Hinterbliebenen sollten nicht auf die Informationen aus den Medien angewiesen sein, sie sollten gesondert und besonders verantwortungsvoll unterrichtet werden. Und wir? Wir einfaches Volk? Macht es auch nur den kleinsten Unterschied, ob wir die Hintergründe heute oder in drei Tagen erfahren? Nein. Völlig egal!


Aber wie sollen Experten vernünftig eine Untersuchung leiten, wenn ständig die Öffentlichkeit an ihren Ärmeln zerrt? Müssen wir wissen, wie der Co-Pilot hieß, wenn es noch gar nicht feststeht, ob er 150 Menschen absichtlich mit in den Tod gerissen hat? Besser noch: Müssen wir den Namen wissen, WENN es feststeht? Nein. Diese Tat zieht eine persönliche Schuld nach sich. Der Schuldige wäre in diesem Fall schon tot, seine Hinterbliebenen dagegen trifft keine Schuld. Sie sind einfach Menschen, die einen Angehörigen verloren und die allein damit bereits zu kämpfen haben. Die Belastung eines persönlichen moralischen Schuldempfindens ganz außer Acht gelassen.

Also wenn wir die Medien dazu drängen, uns so schnell Informationen zu liefern, dass eine Überprüfung der Angaben gar nicht möglich ist, brauchen wir dann noch eine Rubrik, in der die Falschmeldungen aufgelistet werden? Wollen wir das überhaupt wissen? Wir hatten doch unseren »Kick« schon. Wen interessiert, was danach kommt?



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