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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Auch heute dürfte die Werbung »Mein Haus, mein Auto, mein Dings« noch vielen geläufig sein. Rückblickend betrachtet sehe ich diese Werbung heute sehr bezeichnend für unsere Zeit und unsere Gesellschaft. Uns wird vorgemacht, jeder von uns sollte das können, die Bilder auf den Tisch knallen »Mein Haus, mein Auto ...« Sonst ist man nichts. Das Wort »Mein« war hier sehr wichtig. Ein Beweis für den persönlichen Erfolg. Nur sind die meisten von uns heute weiter davon entfernt als damals. Keine Chance, trotz fleißiger Arbeit. Da sollen wir etwas wollen, um etwas zu sein. Ob wir das wirklich brauchen, um uns zu definieren, um ein schönes Leben zu führen, bleibt außen vor.


Jetzt kommen Flüchtlinge ins Land. Denen scheinbar alles geschenkt wird, wofür wir arbeiten mussten. Zunächst erhalten die Flüchtlinge natürlich nicht »alles«, doch spielt das für manche Leute überhaupt keine Rolle. Sie bekommen etwas und andere nicht. Aus einigen Gesprächen habe ich herausgehört, dass es bei Aussagen, die auf den ersten Blick ausländerfeindlich klangen, eigentlich nur um Missgunst und Neid ging. Es sind oft genau die Menschen, die auch undifferenziert über Hartz-IV-Empfänger herziehen. Im Zeitalter von »Mein Haus, mein Auto ...« sind Neid und Missgunst gesellschaftsfähig geworden. Dass sich diese Einstellung letztlich natürlich ausländerfeindlich auswirkt ist klar, auch wenn Auslöser eigentlich der blanke Neid war. Ohne Rücksicht auf die Herkunft der »Bevorteilten«. Das ist das eine.


Zum anderen gibt es ein schwindendes Identitätsgefühl und auch die Gemeinschaft lebt derzeit nicht gerade auf in unserem Land. Zu Zeiten der großen Pegida-Spaziergänge in Dresden hat Pfarrer Philipp aus Ranstadt das sehr schön dargestellt, wie die Gesellschaft ihrer Identität verliert, indem sie sich selbst ihrer Wurzeln beraubt. Als Wurzeln nannte er vor allem die kirchlichen Feste, die das Jahr prägen. Sie verlieren immer mehr an Inhalt, St. Martin wird aus Termingründen schonmal verschoben, was soll es. Ich möchte dem noch das Vereinswesen hinzufügen. Auch wenn viele Kirche und Vereinswesen für überholt und überflüssig halten, hat es doch unser Land und unsere Gesellschaft geprägt, gibt uns Halt und Identität. Wer keine Wurzeln mehr hat, hat keinen festen Stand, wenn er auf Neues trifft. Neues oder fremde Menschen. Er zeigt Unsicherheit, die schnell zu Angst und Aggression wird. Jemand, der sich selbst keiner Gemeinschaft mehr zugehörig fühlt, weil er das für altmodisch hält und für hinderlich auf dem Weg zu »Mein Haus, mein Auto ...«, der wird auch andere nicht in eine Gemeinschaft aufnehmen können.


Beides zusammen ist keine gute Weichenstellung für eine Gesellschaft. Beides zusammen ist aber auch ein Pulverfass, das rechte Chaoten nur zu leicht nutzen können. Deshalb reicht es nicht, die rechten Chaoten zu bekämpfen, wir müssen das Pulverfass leeren, denn so genügt schon der kleinste Funken. Den wird man nie ganz verhindern können.


Bevor man sich jetzt einbildet, das Geld, das den Flüchtlingen zugutekommt, würde einen selbst daran hindern, endlich das Ziel »mein Haus, mein Auto, meine Dings« zu erreichen, sollte man mal darüber nachdenken, warum die Löhne in Deutschland seit Jahren sinken, die Gewinne der Wirtschaft aber steigen. Wäre es da nicht sinnvoller, dafür zu sorgen, dass Menschen für ihre Arbeit ordentlich bezahlt werden, statt es Konzernen zu erlauben ihre Gewinne in Steuerparadiesen abzurechnen und zuzusehen, wie Investoren und Aktionäre sich indes über wachsende Gewinne freuen? Aber an die kommt man ja nicht so einfach heran und außerdem wird uns auch seit Jahren weisgemacht, das wäre schon in Ordnung so. Die Flüchtlinge dagegen, die kommen da gerade recht als Sündenbock. Unsere Probleme sind hausgemacht, rühren nicht von den Flüchtlingen her.


Ich, die aussterbende KlasseDer Mindestlohn ist schuldWir mögen Falschmeldungen

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