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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Pressearbeit

Gerald V. Leopold: »Das waren wir!«

Jüdischer Emigrant besucht nach über 70 Jahren seine früheren Spielkameraden

Etwas unsicher schaut Hildegard Mogk hinauf in ein Gesicht, das sie seit über 70 Jahren nicht mehr gesehen hat. Es ist das Gesicht von Gerald Vernon Leopold, der als jüdischer Emigrant 1938 Deutschland verließ. Später wird sie sagen: »Er sieht dem kleinen Jungen von früher doch noch sehr ähnlich.« Nachdem die erste Scheu überwunden und das offene Lachen von Leopold das Eis gebrochen hat, sagt sie: »Es hieß früher immer: ’Die Düsseldorfer kommen!’« Er lacht und schlägt sich mit der flachen Hand auf die Brust »Des war’n mir!« Obwohl Leopold schon lange in Amerika lebt, spricht er perfekt Deutsch. Jedoch nicht akzentfrei. Manchmal kommt noch ein bisschen Hessisch durch. Geboren wurde Günter Werner Leopold 1923 in Frankfurt. Den Namen änderte er, als er 1944 als amerikanischer Soldat nach Europa zurückkehrte. Denn er befürchtete, sofort erschossen oder in ein Konzentrationslager gebracht zu werden, wenn er mit seinem deutschen Namen in Gefangenschaft geriete. Seine Tante und seine Großeltern lebten in Gettenau, so kam der Junge in den Ferien stets aufs Land und verbrachte dort viele schöne Stunden. So erinnert sich noch daran, dass er mit dem Leiterwagen zur Molkerei gefahren war. »Gibt es die noch?« will er wissen. Bürgermeister Dieter Müller nickt. »Aber nicht mehr als Molkerei.« Leopold möchte sie sehen und so wurde sie Teil der kleinen Tour durch Gettenau und Echzell. Mit seinen detaillierten Kenntnissen zum Dorf und den Menschen, die damals hier lebten, überrascht er stets aufs Neue. Immer wieder fragt er nach Namen, kennt ganze Stammbäume und will wissen, was aus den Menschen wurde. Auch wenn er 1927 mit seiner Familie von Frankfurt nach Düsseldorf zog, kehrte er in den Ferien nach Gettenau zurück. Ebenso während seiner Zeit im Internat in London, dass er ab 1936 besuchte.

Mit der Familie Ostheim, deren Sohn Klaus, die ihn mit anderen Gettenauern vor dem »Stern« empfing, verbindet Leopold ebenfalls Kindheitserinnerungen. Bei Ostheims hatte er immer den Christbaum bewundert. Die Kerzen und das Engelshaar. »Man durfte es nicht anfassen«, sagt Leopold und wird dann leiser: »Das konnte ich nie verstehen, es war so wunderschön!«

Bevor er sich mit alten Freunden zu Kaffee und Kuchen getroffen hatte, war Vernon Leopold mit seiner Frau Shirley, Tochter Sara, seinem Schwiegersohn Mitchell Spinell und seinem Sohn David Leopold sowie Bürgermeister Dieter Müller und dessen Ehefrau Sabine Unger-Müller in Echzell und Gettenau unterwegs. Auf dem Weg wurde noch Kurt Mogk dazugeholt, der die Geschichte der Synagoge in der Bisseser Straße und der beiden Jüdischen Friedhöfe der Großgemeinde zusammengetragen hatte. Auf dem Friedhof in Bisses fand Leopold keine Hinweise auf Verwandte. Die Grabsteine waren in Hebräisch beschriftet und mussten deshalb älter sein, als die, die er suchte. Auf dem größeren Jüdischen Friedhof in Echzell waren die Namen der Toten auch in deutscher Sprache in den Stein gehauen. Hier fand Leopold auch Verwandte und Freunde seiner Familie. Nach jüdischer Sitte hinterließ er auf einigen Grabsteinen kleine Steinchen.

Die Neugierde von Vernon Leopold, was im Heimatdorf seiner Großeltern alles passiert war in den letzten Jahrzehnten, war zwar noch lange nicht gestillt, doch rief nun die Verabredung mit den Spielkameraden von früher. Und die wollte er nicht warten lassen.


© 2009 Marc Stephan

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