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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Pressearbeit

Wolfgang Rauschel: Hessens wohl erfolgreichster Bergsteiger

Viele vermuten er sei ein reicher Mann, weil er seit Jahrzehnten um die ganze Welt reist. »Die glauben, jede Reise würde mich viel Geld kosten«, lacht Wolfgang Rauschel. Als Berufsschullehrer hätte er sich diese vielen Touren jedoch nicht leisten können, wären es »Luxusreisen« gewesen, wie sie der Normalbürger kennt. Rauschels Reisen kosten ihn nicht viel Geld. Doch hört man ihm länger zu, merkt man, dass er doch sehr viel für seine Leidenschaft zahlt. Er zahlt den Preis jedoch nicht in Euro oder früher in Mark. Jeden Tag muss er verzichten, nur ein wenig aber stetig. »Ich stehe jeden Tag hungrig vom Tisch auf«, sagt Rauschel ohne Unmut. Er akzeptiert den Preis, den er zahlen muss, er zahlt ihn gern. Denn wer sich auf seinen Reisen wochenlang nur von lauwarmer, dünner Nudelsuppe ernähren, wer rationieren muss, weil die Vorräte knapp werden, weil man nicht das zuvor berechnete Marschtempo erreicht, der muss seinen Körper auch im Überfluss an den Mangel gewöhnen. Er liebt Süßes, Torte mit Sahne. Doch nach einem Stück muss Schluss sein. Er erinnert sich lachend daran, wie ihn seine Frau nach einer anstrengenden Reise fragte, was sie ihm zu essen machen sollte. Er antwortete: »Selbst wenn du mir nur die Kartoffelschalen gibst, werde ich sie mit Genuss essen!«

Jeden Tag geht er stramm bergauf spazieren, bei jedem Wetter. Sicher, er könnte bei Eisregen und schlammigen Wegen auf eine kleine Tagestour verzichten. Doch dieses »nur einmal« kann schnell zur Gewohnheit werden, und wenn auf einer Rucksacktour durch Patagonien oder Grönland sein Leben von seiner Kondition abhängt, will er nicht an seiner Nachlässigkeit scheitern.

Auf die Frage nach dem Alter lacht Rauschel nur und sagt: »Gefühlte 37« und gibt zu, dass er wirklich mehr als doppelt so alt ist. Trotzdem zahlt er täglich den Preis für seine Leidenschaft, isst sich nicht satt, geht bei jedem Wetter raus und macht Klimmzüge an der Treppe im Flur. Außerdem hängt er auch täglich einfach »nur mal so« in Klimmzugstellung an einer Treppenstufe, bis er den Schmerz in den Fingern nicht mehr aushält. Denn neben seinen Wandertouren ist Wolfgang Rauschel auch auf Bergen unterwegs, hat in 58 Jahren Bergsteigerleidenschaft 3.902 Berge bestiegen auf allen Kontinenten und nennt sich den »erfolgreichsten Bergsteiger Hessens«, vielleicht sogar Deutschlands. Schon in jungen Jahren hatte es den in Oppeln geborenen Wolfgang Rauchel in die Berge und die Natur gezogen. Sein Vater, ein Naturmaler hatte ihn früh mit nach draußen genommen. Die alten Gemälde seines Vaters schmücken heute den Flur von Rauschels Haus neben Erinnerungsstücken an Bergtouren durch die Alpen bis zum Himalaya.

Er sei heute jedoch nicht mehr so ungestüm wie in jungen Jahren, gibt er zu. Denn als junger Bursche gehörte er zu einer Gruppe der acht erfolgreichsten Bergsteiger seiner Zeit. »Ich bin der einzige, der noch übrig ist«, sagt er und zählt auf, wer seiner Kameraden abgestürzt ist am Mont Blanc oder am Berg erfror, Opfer einer Lawine wurde. Angst habe er nicht vor dem Bergsteigen. Denn auch wenn wir heute durch einen Verkehrsunfall Freunde verlieren, steigen wir selbst morgen wieder ins Auto, erklärt er. Respekt habe er und habe mit der Zeit gelernt, sein Ziel nicht mit aller Gewalt erreichen zu wollen. »Wenn das Wetter kippen könnte oder andere Gefahren drohen, kehre ich heute um, versuche nichts zu erzwingen«, sagt Rauschel und gibt zu: »Früher war das noch anders.« Trotzdem bleibt bei jeder Tour die Gefahr eines Unfalls, auch diesen Preis ist er bereit zu zahlen.

Doch was treibt Wolfgang Rauschel rund um den Erdball. Denn nicht nur Berge und die unwirtlichsten Gebiete der Erde reizen ihn, auch sonnige Mittelmeerinseln wie Kreta. Neben der Landschaft forscht er dort auf eigene Faust nach den Spuren vergangener Kulturen. Er hofft dabei nicht, etwas Großes zu entdecken, er hat einfach Spaß, selbst geforscht zu haben, es nicht nur gelesen oder gesehen zu haben, sondern es erlebt zu haben.

Ist Rauschel einmal ins Reden geraten, fällt es schwer ihn zu unterbrechen. Tausend Einzelheiten und Erlebnisse sprudeln nur so aus ihm heraus, Pläne, was er noch tun möchte. Man hat das Gefühl, dass für diesen Mann ein Menschenleben zu kurz ist. Er hat viel erlebt und kriegt nicht genug. Ruhe findet er nie. Jedenfalls keine Ruhe, wie sie der Durchschnittsmensch kennt. Erfüllung und Entspannung findet er, wenn er bis zu 15 Stunden täglich in seinem Arbeitszimmer sitzt, umringt von über 3.000 Büchern allein über den Himalaya. Er bereitet neue Reisen vor, verarbeitet seine Erlebnisse in Vorträgen. Im Moment habe er etwa 40 verschiedene Vorträge »auf der Pfanne«, die er halten könne. So wie sein Vater die Natur in Gemälden festhielt, tut Wolfgang Rauschel es mit der Kamera. Und mit seinen Erzählungen, die er an die Zuhörer seiner Vorträge weitergibt. Er unterlegt seine Vorträge nicht mit Musik oder Geräuschen, versucht keine Dramatik einzubauen. Zuhörer lobten ihn für die Direktheit und Ehrlichkeit seiner Vorträge, sagt er. Kein Schnickschnack, kein Hokuspokus.

Mit den Vorträgen verdiene er sicher viel Geld, werde ihm auch oft nachgesagt. Dabei hielten diese Einnahmen sich mit den Ausgaben die Waage. Als er noch jünger war, sei er auch bis zu fünf Stunden zu einem Vortrag durch Deutschland gefahren. Rechnet man Fahrtkosten und Zeit gegen das Honorar, müsste er teils sogar draufgelegt haben, meint Wolfgang Rauschel. Außerdem habe er über 100.000 Dias gemacht, die damals umgerechnet fast mit zwei Euro das Stück zu Buche schlugen. Auch diese Kosten sehen viele nicht.

Die Flüge an sich kosten ihn nicht viel und am Zielort angekommen, schläft er im Schlafsack auf gefrorenem Tundraboden oder wo auch immer, sodass hier kaum Kosten anfallen. So zog er bereits 1971 mit Unterstützung der Hessischen Landesregierung durch Grönland, bestieg dort einen 2.100 Meter hohen Berg, den er als Erstbesteiger taufen durfte auf den Namen »Hessenberg«.

Über Jahrzehnte zog es ihn immer wieder nach Grönland und er beobachtete über lange Zeit die Entwicklung einzelner Gebiete. Wo Kinder früher mit Holzstöckchen spielten, hat heute auch das elektronische Spielzeug Einzug gehalten, wo früher drei Holzhütten standen, ist heute eine Ortschaft mit Supermarkt. Hier spürt man ein bisschen Wehmut oder Enttäuschtheit. »Ich glaube, mit Holzstöckchen waren die Kinder glücklicher.« Überhaupt ist Rauschel jemand, der dafür plädiert mit weniger materiellem Besitz die Welt wirklich zu erleben. So gesehen stimmt, was viele vermuten. Wolfgang Rauchel zahlt viel für seine Reisen, ist aber auch ein reicher Mann.

© Marc Stephan 2014


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