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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Pressearbeit

Gerhard Seim:

25 Jahre mit dem Herzen eines anderen

Den kleinen Zipperlein und Wehwehchen des Alters sieht Gerhard Seim mit einem gelassenen Lächeln entgegen. Der 72-Jährige lebt seit 25 Jahren mit einem Spenderherz. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von zwölf Jahren nach einer Herzverpflanzung freut er sich, die Alterszipperlein noch erleben zu dürfen. Der Grund für die geringe Lebenserwartung nach einer Transplantation liegt hauptsächlich in der großen Gefahr durch Infektionen. Deshalb werden Gerhard Seim und seine Frau Lydia gerade in der Grippezeit vorsichtig und besuchen keine größeren Veranstaltungen mehr. Besonders die Berichte über die Schweinegrippe beschäftigen das Paar. Doch haben sich die Zwei noch nie ins Bockshorn jagen lassen. Von Anfang an, nahm Seim den Rat des amerikanischen Arztes Géradet zu Herzen. Dieser sagte ihm 1984: »Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Sie werden Ihre vierjährige Tochter noch heiraten sehen.«

So lebte das Ehepaar aus Echzell dann auch. »Wir leben sehr bewusst und ernähren uns gesund«, sagt Gerhard Seim und seine Frau ergänzt: »Sicher schlemmen wir auch mal, das gehört dazu!« Beide lachen und schauen sich kurz in die Augen. Doch gerade in der Zeit nach der Operation musste sich das Paar wegen der hohen Infektionsgefahr aus dem sozialen Leben zurückziehen. Erst nach Jahren kehrte das normale Leben Stück für Stück wieder. Leider hätten einige Freunde und Bekannte nicht verstanden, dass man sich in solch einer Situation zurückziehen muss, berichten beide. Sie fühlten sich in dieser Zeit ein wenig alleingelassen. Doch vielleicht haben auch viele gar nicht realisiert, was da vorgegangen ist. Die Seims haben es ja selbst erst nach der Operation begriffen, was da passiert war und was es für die Zukunft bedeutete.

Nach dem zweiten Herzstillstand 1984 musste der sonst gesunde Gerhard Seim binnen zehn Tagen ein neues Herz haben, erklärten die Ärzte. Sonst gebe es wenig Hoffnung für ihn. Leider war die Warteliste in Deutschland lang und die Zahl der Spenderorgane sehr gering. Kaum Chancen für Gerhard Seim. Doch in Louisville, in den Vereinigten Staaten, waren in einer Transplantationsklinik Spenderherzen vorhanden. »Dort warteten gleich drei Herzen auf mich«, erzählt der Jubilar. Gleichzeitig ist er ein bisschen traurig über die geringe Organspendebereitschaft in Deutschland. Er kritisiert die Menschen nicht, erinnert jedoch daran, dass so mehr Leben gerettet werden können. Knapp drei Monate verbrachte das Paar in Louisville. Erst als sie dort auf die erste Abstoßung warteten, begriffen sie, was geschehen war und welches Glück sie hatten. Das Angebot aus USA, die Reise, die Operation »das ging alles so schnell«, erinnert sich Lydia Seim. Die erwartete erste Abstoßung des neuen Organs ließ lange auf sich warten. Sie ist ganz normal und tritt fast immer auf. Erst kurz vor der geplanten Abreise kam es zur erwarteten Infektion, die mit hohen Dosen Kortison bekämpft wurde. Kleine Mengen dieses Medikaments muss Gerhard Seim neben anderen Mitteln noch heute einnehmen.

Wenige Wochen nach der überstandenen Abstoßung waren die Seims zurück in Echzell und begannen ihr »zweites Leben«. Gerhard Seim feiert seit dem zweimal im Jahr seinen Geburtstag. Nachdem es ihm immer besser ging, begann er Transplantationspatienten in Kliniken zu besuchen. Viele haben Angst vor dem Eingriff und wissen von der niedrigen durchschnittlichen Lebenserwartung. Gerhard Seim sprach als lebender Gegenbeweis mit vielen Patienten. Er klärte auf und machte Mut. Was Dr. Géradet, mit dem er heute noch Kontakt hat, zu ihm sagte, gab er nun aus eigener Erfahrung an andere weiter: »Lassen Sie sich nicht verrückt machen!« Übrigens: Es ist noch nicht lange her, da feierte Gerhard Seim die Hochzeit seiner 29 Jahre alten Tochter.

© 2009 Marc Stephan

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