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© Marc Stephan, D-61209 Echzell

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Pressearbeit

Otto Waas: Weltenbummler über den Dächern

»Jetzt kann es bald losgehen«, zufrieden betrachtet der fast 80jährige Zimmermann Otto Waas das Holz, das er gerade wetterfest abgedeckt hat. Daraus wird er eine neue Pergola für das Haus bauen, in dem er, seine Tochter und deren Familie leben. Gebracht hatte das Holz sein alter Freund Walter Mogk, Zimmermann aus Gettenau. Die Männer kennen sich schon sehr lange. Als die beiden vor über 30 Jahren das Gebälk und die Turmspitze der Friedberger Stadtkirche erneuerten, war Mogk noch ein Lehrling. Otto Waas dagegen schon einer der führenden Handwerker in der Firma. Die Stadtkirche war für Waas nicht der Höhepunkt seines langen Berufslebens, erzählt er später in seinem Wohnzimmer. Er baute auch die neue Holztreppe in den Adolfsturm ein oder restaurierte die Tore der Friedberger Burg. »Die ließen sich nicht mehr schließen«, weiß er noch und dass es sehr schwere Tore waren, die sie auf ihrem Betriebsgelände wieder in Schuss brachten. »Ich hab viel geschafft in Friedberg«, erzählt der Rentner stolz. Nach dem Krieg war Friedberg stark durch Bomben beschädigt. Waas arbeitete auf fast allen Dächern der Kaiserstraße von der Burg bis an die Kaserne. Die amerikanische Wohnsiedlung gab es damals noch nicht, das waren alles noch Äcker, die einem Gärtner gehörten, berichtet Waas und ärgert sich ein bisschen, dass ihm der Namen des Gärtners gerade nicht einfällt. Dabei erinnert er sich an so viele Einzelheiten aus der Nachkriegszeit. Aus dem Kopf zählt er fast ein Dutzend Namen auf, von Lehrlingen und Gesellen, die ihm als besonders gut und fleißig im Gedächtnis geblieben sind. Auch wo sie wohnten, weiß der Zimmermann noch. »Aus fast allen Lehrlingen und Gesellen in unserer Firma ist später etwas geworden. Viele sind heute selbständig.«

Auf Handwagen zogen die Zimmerleute damals Werkzeug und Baumaterial durch die Stadt. Manchmal hatten sie Glück und wurden von einem Pferdefuhrwerk zur Bausstelle gebracht. »Damals war sehr viel zu tun«, erzählt Waas und richtet sich dabei auf, als wolle eOtto Waas platziert die Wetterfahne auf der Stadtkirche in Friedberg.r noch einmal anpacken. An die großen Scheunen in Fauerbach erinnert er sich noch sehr genau, waren sie doch mit das erste, was er nach dem Krieg wieder aufbaute. Als der Turm der Stadtkirche 1977 restauriert wurde, wurde erstmals die Arbeit des Zimmermanns in Bildern festgehalten. Zwei Alben hat Waas davon in seinem Wohnzimmerschrank. Einzelne Arbeitsschritte wurden dokumentiert, das ausgebaute Holz, das neu eingesetzte und zuvor die Bearbeitung fotografiert. Das Fachwerk hatte sich gelockert und musste zusammengezogen und befestigt, morsche Stücke ausgetauscht werden. Der Zimmermann deutet auf Fotos mit Balkengewirr, das für einen Laien undurchschaubar erscheint.

Der Rentner war und ist gerne Zimmermann. Und das obwohl er eigentlich einen anderen Mit dem Fotoalbum auf dem Schoß schwelgt Otto Waas in Erinnerungen.Beruf erlernen wollte. Der gebürtige Frankfurter arbeitete gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in einer Werkzeugfirma und kam dort auf die Idee, Kaufmann zu werden. Sein Großvater stammte aus Bingenheim, weshalb Otto Waas nach Echzell zog, nachdem seine Familie in Frankfurt ausgebombt worden war. In Friedberg versuchte er sich nach dem Krieg noch ein Jahr in der Kaufmannslehre bis er feststellte: »Das ist nichts für mich!« Zimmermann wurde sein Traumberuf und ist es bis heute geblieben. Gemeinsam mit seiner Frau Margarethe bezog er 1982 sein neu gebautes Haus in Echzell. Als seine Frau erkrankte, ging Otto Waas nach 45 Berufsjahren in den vorzeitigen Ruhestand, um sie bis zu ihrem frühen Tod zu pflegen. Mit den Fotoalben auf dem Schoß erinnert sich der Rentner daran, dass er nicht nur auf Friedbergs Dächern arbeitete. Vom Lahntal bis in den Odenwald war er fast ein halbes Jahrhundert unterwegs. Auf dem Tisch vor ihm liegt ein Buch von Weltenbummler Hardy Krüger. Otto Waas schaut auf das Buch, lächelt und sagt: »Eigentlich war ich ein kleiner Weltenbummler auf den Dächern.«

© 2009 Marc Stephan

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